Schaffung einer innovativen Kultur an Hochschulen -

Das Vorschlagswesen an Hochschulen als ein Instrument der Lehre

Überblick

A. Die außergewöhnlichen Vorteile des Vorschlagswesens für Hochschulen

Die Jahresstatistik des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft (dib) weist auf die enormen Einsparungspotentiale hin, die Unternehmen erreichen können, wenn sie ein betriebliches Vorschlagswesen (BVW) einführen. So führte das BVW beispielsweise bei Siemens im Jahr 1997 zu einer Kostenersparnis von durchschnittlich 1.670 DM je Mitarbeiter; ein anderes Unternehmen (Celanese GmbH) erreichte sogar Einsparungen von 21.800 DM je Mitarbeiter. Seine Akzeptanz drückt sich neben den erzielten Einsparungen am Beteiligungsgrad aus. In der deutschen Industrie wurden 59 Verbesserungsvorschläge (VV) je 100 Mitarbeiter eingereicht (Deutsches Institut für Betriebswirtschaft 1997); in einem Zulieferunternehmen der Autoindustrie ergab sich im Durchschnitt sogar 23 Vorschläge je Beschäftigten. Im Dienstleistungssektor kamen nur 7 Ideen auf 100 Betriebsangehörige. Schlußlicht in der dib-Statistik bilden die Behörden mit 0,3 VV je 100 Mitarbeiter. Hochschulen kommen in der dib-Statistik überhaupt nicht vor.

Nur eine verschwindend geringe Anzahl von Hochschulen nutzt die Vorteile eines Vorschlagswesen in bestimmten Fachbereichen oder testet es. Dabei könnten die rund 1,8 Mio. Studierenden und ca. 152.000 hauptberuflichen Hochschullehrer in Deutschland zu wesentlichen Verbesserungen im Bildungssektor beitragen. Allein aus ökonomischer Sicht stellt die Höhe des Haushaltsvolumens der 335 bundesdeutschen Hochschulen, rund 50 Mrd. DM in 1995 (Statistisches Bundesamt 1997) einen interessanten Markt für das Vorschlagswesen dar. So begann z.B. die Uni Münster im Jahr 1991 mit der Einrichtung eines Vorschlagswesens in der medizinischen Fakultät. Aufgrund seines positiven finanziellen Ergebnisses empfahl das Düsseldorfer Wissenschaftsministerium zusammen mit dem Landesrechnungshof, an allen anderen Uni-Kliniken des Landes Nordrhein-Westfalen ein betriebliches Vorschlagswesen einzurichten (Uni Press Münster 1997). Auch andere Hochschulen, die das Vorschlagswesen bereits einsetzen, wie die TU Berlin, TU München, FHTW Berlin und die Universität Innsbruck, erzielen damit ebenfalls ansehnliche Resultate (Wagner, Ilg 1998)

Doch warum ist das Vorschlagswesen an Hochschulen so wenig präsent? Wie bei vielen anderen Umstrukturierungsmaßnahmen ist ein gewisser ökonomischer Druck notwendig, um eine neue "Philosophie" einzuführen. Das Management muß die notwendige Unterstützung leisten und die Beschäftigten bereit sein, sich für eine neue Idee zu engagieren. So fällt bei der Verbreitung des BVW in allen Sektoren, in denen es Anwendung findet, die ökonomische Notwendigkeit zu einem effizienteren Verhalten auf, die sich in einem steigenden Druck zu größerer Globalisierung, stärkerer Wettbewerbsfähigkeit, niedrigeren Kosten sowie höherer Innovationsfähigkeit und -geschwindigkeit ausdrückt. Dies erklärt auch die Tatsache, warum Unternehmen ohne Konkurrenz wie z.B. Krankenhäuser und Behörden erst in den letzten Jahren, in denen sie den Kostendruck zu spüren bekamen, das BVW für sich entdeckt haben. Aufgrund radikaler Kürzungen des Budgets fühlen jetzt auch die Hochschulen den Zwang zu Einsparungen und überlegen, wie sie eine notwendige Reform der verkrusteten Strukturen angehen können (Fandel 1998). Der Einsatz eines Vorschlagswesens bietet sich für die Hochschulen ebenso wie in den traditionellen Industriezweigen an. Im Vergleich zu Unternehmen besitzen Hochschulen sogar weitaus günstigere Voraussetzungen für die erfolgreiche Einführung des BVWs und vermehrte Nutzungsmöglichkeiten:

  1. Sie verfügen zusätzlich zu ihrem Mitarbeiterstamm über ein außergewöhnlich großes Humankapital in Form der Studenten.
  2. Studenten sind durch ihre Vor- und Ausbildung besonders geeignet, um Vorschläge zu kreieren und durch Verbesserungsvorschläge zu enormen Einsparungen und Neuerungen beizutragen.
  3. Durch jahrzehntelange staatliche Regulierung der Hochschulen und dem fehlenden Einsatz von Qualitäts- und Controllinginstrumenten bestehen vielfältige Rationalisierungs- bzw. Einsparungsmöglichkeiten.
  4. Hochschulen sind aufgrund ihrer interdisziplinären Ausrichtung sowohl für kleine kontinuierliche Verbesserungsprozesse als auch für große Verbesserungen, d.h. Innovationen, geradezu prädestiniert;
  5. Das Vorschlagswesen kann eine wichtige Funktion in der Lehre übernehmen.

Wie sich diese Vorteile ausschöpfen lassen und wie ein multifunktionales Verbesserungswesen an Hochschulen (VWH) unter Einbezug der Verbesserungsvorschläge von den Studenten zu organisieren ist, wird in den folgenden Kapiteln detailliert entwickelt.

B. Das spezielle Ideenpotential an Hochschulen

I. Das Ideenpotential der Studenten

Ein Vorteil der Hochschulen gegenüber den Unternehmen besteht in der Vielzahl der Studenten als mögliche Anbieter von Verbesserungsvorschlägen, über die sie zusätzlich zu den festangestellten Mitarbeitern zugreifen können. Während die Mitarbeiter über ein Potential für das BVW verfügen, wie es auch in den privaten Unternehmen zu finden ist, besteht die Überlegenheit der Studenten in ihrer außergewöhnlichen Quantität und Qualität. Dieses Potential, das den privaten Unternehmen auch in Form ihrer Kunden zur Verfügung stände, wird von ihnen bisher nur selten erschlossen, obwohl gerade sie neue An- und Einsichten vermitteln könnten.

Die Studenten verkörpern ein besonders geeignetes Humankapital für die Ideenfindung von Verbesserungen aus folgenden Gründen: Erstens sind die idealtypischen Studenten offen für Neues und motiviert, ihre geistigen Leistungsmöglichkeiten zu entfalten sowie ihre intellektuellen Fähigkeiten einzubringen. Sie haben sich noch nicht auf Spezialisierungen festgelegt, sondern probieren unterschiedliche Gebiete aus, so daß sie noch sehr flexibel sind. Zweitens bringen sie neben ihrer Belesenheit und ihren intellektuellen Fähigkeiten auch praktische Erfahrungen mit. Dies ist besonders an Fachhochschulen der Fall, an denen 62% der Studierenden bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben; ihre universitären Kommilitonen haben zu 18% eine betriebliche Ausbildung durchlaufen (Grund- und Strukturdaten 1997/98). Zudem absolvieren viele von ihnen während der Semesterferien Praktika, die ihren Horizont erweitern. Je nach ihrer bisherigen Ausbildung bergen Studenten daher einen reichen Fundus von verschiedenen Ansichten und Erfahrungen in sich, die zu neuen Ideen führen und bei einer Zusammen- bzw. Teamarbeit sich gegenseitig ergänzen können. Drittens gestaltet sich der Studienalltag eines Studenten flexibler als der Arbeitsalltag eines Angestellten. Studenten können ihre Tätigkeiten innerhalb eines bestimmten Rahmens ihren Neigungen anpassen, indem sie z.B. Hausarbeiten zu speziellen Themenbereichen wählen, aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen Journalen informative Artikel lesen oder Vorlesungen anderer Fakultäten besuchen. Sie können einen oder mehrere Schwerpunkte relativ frei wählen, vielfältig ausbauen und nach Wunsch intensivieren. Falls sie Interesse für das Vorschlagswesen an Hochschulen entwickeln, sind sie relativ frei, sich und ihre Ideen dafür einzusetzen. Viertens besteht an den Hochschulen eine relativ große Fluktuation. Jedes Semester beginnen neue Studenten ihr Studium und hinterfragen dabei die Organisation. Dies verringert das Problem der Betriebsblindheit an Hochschulen, das sich bei Unternehmen mit festem Mitarbeiterstamm ergeben kann. Fünftens haben die Studenten - im Gegensatz zu den Mitarbeitern - keine Befürchtungen, daß sie durch VVs ihren Arbeitsplatz wegrationalisieren könnten. Sie äußern daher ihre Vorschläge unbefangener und direkter.

Die Ideenfindigkeit der Studenten läßt sich durch einige Beispiele aus einem Pilotprojekt an der FHTW Berlin illustrieren. So schlug ein Student die Einbeziehung einer Public-Private Partnership zur Finanzierung einer neuen Heizungsanlage vor. Dadurch sollte das bisherige Regeln der Raumtemperatur durch das Öffnen von Fenstern durch Temperaturthermostaten ersetzt werden und die Finanzierung sich aus den eingesparten Heizkosten amortisieren. Erfahrungen aus ähnlichen Public Private Partnerships zeigen, daß damit der Haushalt entlastet wird und Minderausgaben von 33% erreicht wurden. Ein anderer Vorschlag betraf die Einführung einer Chipkarte, die den Studenten- sowie den Bibliotheksausweis ersetzt und zusätzlich als Mensakarte dient. Neben den Vorteilen für die Studenten in der Benutzung nur einer Karte könnte damit die Mehrerfassung der studentischen Daten eliminiert werden und es ließen sich damit die Kosten beträchtlich reduzieren. Die Rückmeldung und das Ausfüllen der verschiedenen Formulare könnte per e-mail erfolgen, wenn jeder Student ein Login bei der Ersteinschreibung erhält. Dadurch brauchen die Studenten nicht lange in Warteschlangen zu stehen, während die Verwaltung sich die enormen Anschreibe- und Portokosten sowie die Eingabekosten in den Computer spart. Jeder dieser Vorschläge weist hohe Kostensenkungspotentiale und gleichzeitige Serviceverbesserungen auf. Für die Umsetzung vieler dieser VVs bietet sich eine interdisziplinäre Bearbeitung an.

II. Förderung von Innovationen durch Interdisziplinarität

Viele Problemstellungen sind so komplex, daß ein vorgeschlagener Lösungsweg nur die Idee für eine Verwirklichung beinhaltet. Für die tatsächliche Umsetzung müssen sich Experten verschiedener Disziplinen zusammensetzen, um über die Implementation des Vorschlags zu beraten und eine innovative Lösung zu entwickeln. Da an den Hochschulen ein Expertenwissen auf höchstem Niveau besteht, das sich durch die Nutzung von modernen Bibliotheken, Laboren, Forschungsaufträgen und Beratertätigkeiten in Unternehmen sowohl theoretisch wie auch praktisch auf dem modernsten Stand befindet, kann es relativ leicht für das Vorschlagswesen eingesetzt werden. Die räumliche Nähe von Experten aus den verschiedenen Fachdisziplinen einer Universität oder Fachhochschule ermöglicht eine vergleichsweise einfache Kommunikation, die genutzt werden kann, um komplexe Problemstellungen verhältnismäßig leicht zu lösen. Unterstützend wirkt dabei die relativ flache Hierarchie, die einen Gedankenaustausch zwischen Studenten und Professoren/Dozenten erleichtert. Dies gilt insbesondere für Fachhochschulen, da dort der Mittelbau gänzlich fehlt, aber auch für Universitäten im Vergleich zu Großunternehmen. In einem privaten Unternehmen läßt sich eine solche Kombination hochrangiger Spezialisten nicht so unproblematisch ansprechen, falls sie überhaupt vorhanden sind. Auf ein Engagement von entsprechenden Experten wird daher in der privaten Wirtschaft meist verzichtet oder – falls sie einbezogen werden - bedarf es einer relativ zeitintensiven Entscheidung, die zudem häufig mit entsprechend hohen Beratungskosten verbunden ist. In den Hochschulen bestehen somit Vorteile, da die Kreation von Vorschlägen aus verschiedenen Disziplinen forciert, die Bewertung komplexer Problemstellungen durch Experten vereinfacht, die Beurteilungszeit verkürzt und die Entwicklung innovativer Verbesserungsvorschläge durch die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche ermöglicht werden.

C. Der Einsatz des Vorschlagswesens in der Lehre

Ein bisher völlig unüblicher Einsatz des Vorschlagswesens ist seine Einbindung in die Lehre. Für die Hochschulen ergeben sich dadurch unübersehbare Vorzüge. Die Anforderungen der deutschen Wirtschaft an das staatliche Hochschulwesen "...Orientierung an den Kundenwünschen - von Gesellschaft, Studierenden und Unternehmen..." (DIHT 1996), bei der die Hochschule sich als Dienstleister für die Studierenden sieht (Knigge 1997), werden meistens nicht erfüllt. Unter Kundenorientierung ist nicht nur die Ausrichtung nach den Wünschen der Studierenden zu verstehen, sondern auch nach denen der Unternehmen, die sich selbst als "Endkunden" begreifen. Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft erwarten von ihren zukünftigen Mitarbeitern neben dem Fachwissen Team-, Kommunikations- und Problemlösungsfähigkeit sowie praxisorientiertes Denken (Heinzel 1997). Den Hochschulen wird angelastet, daß sie zu theoretisch ausgerichtet sind und es an praktikablem Anwendungswissen fehlen lassen (Konegen-Grenier, Weiss 1996). "Wir bekommen heute immer noch hochqualifizierte Mitarbeiter, aber die sind nicht in der Lage, mit anderen Menschen umzugehen. Diese Leute kann man nicht mehr gebrauchen" (Frank, Zimmermann 1998). Um die Kluft zwischen Theorie und Praxis, Wissen und Können, Erkenntnis und Handeln zu überbrücken, bietet sich das Vorschlagswesen an (Büring, 1997). Es unterstützt die Umsetzung von betriebswirtschaftlichem Denken in eine Verbesserung der Arbeitsabläufe oder die Vernetzung von betriebswirtschaftlichem und technischem Wissen zur Verbesserung der Qualität oder zur Senkung der Kosten. Nur eines von vielen Beispielen wäre die Entwicklung von Lösungen zur Optimierung des Energieverbrauchs (Wagner, Ilg 1998).

Gleichzeitig mit der Verknüpfung von Theorie und Praxis können weiche Führungsqualifikationen innerhalb des VWHs vermittelt werden. Bislang setzen die Hochschulen die Instrumente zur Vermittlung von "soft skills" nur selten ein. Auch die Fähigkeit zum innovativen Denken wird wenig gefördert. Fortschrittlich ausgerichtete Hochschulen bieten zwar in ihrem Pflichtcurriculum Lehrveranstaltungen an, in denen Kenntnisse im Innovationsmanagement oder in Kreativitätstechniken vermittelt werden - ohne jedoch die praktische Anwendung zu bewerkstelligen. Die theoretische Wissensvermittlung ist zwar eine gute Basis, doch gerade "soft skills" und kreatives Denken müssen durch die praktische Umsetzung erfahren und geübt werden (Frank, Zimmermann 1998). Das VWH könnte hier durch Projektmanagement diese Lücke schließen. Es verbindet theoretische Kenntnisse mit praktischer Anwendung und dient gleichzeitig der Kreativitätsförderung sowie der Entwicklung der "soft skills" (Büring 1997). Diese Kombination erfüllt die Ansprüche der Wirtschaft und macht den Einsatz des VWHs dadurch für die Lehre besonders wertvoll. Dabei kann das VWH von einer interdisziplinären Zusammenarbeit über Spezialisierungen und Fachbereiche hinweg profitieren und forciert somit die Ausbildung mehr zum Generalisten, der von der Wirtschaft zunehmend als Wunschkandidat gesehen wird, als zu dem Spezialisten. Mit der Aufnahme des VWHs als Projekt in die Curricula, stünde den Hochschulen ein Ausbildungs- bzw. Qualifizierungsinstrument zur Steigerung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit, zur Personalführung und Persönlichkeitsentwicklung und nicht nur zur Rationalisierung zur Verfügung.

In diesem Kontext wurde das VW bisher noch nicht diskutiert. Damit soll das VWH nicht zum Dogma erhoben, sondern vielmehr seine vielfältigen Anwendungs- und Nutzungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. So wurden beispielsweise "soft skills" an der FHTW Berlin durch das Pilotprojekt zum Vorschlagswesen in einer Lehrveranstaltung im Fach Produktionswirtschaft gefördert (Wagner, Ilg 1998). Die Studierenden hatten die Aufgabe, ein Vorschlagswesen an der Fachhochschule erstmalig zu projektieren, durchzuführen und auszuwerten. Für das Projektmanagement hatten sie ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse einzubringen und kreative Ideen zu entwickeln. Die initiierende Professorin übernahm die Rolle des Moderators, und die Studenten mußten nicht nur ihre fachliche, sondern auch ihre soziale Kompetenz unter Beweis stellen. Damit trainierten sie nicht nur kommunikative Fähigkeiten, Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen, sondern lernten auch, die gestellten Aufgaben ergebnisorientiert und eigenverantwortlich zu bewältigen.

D. Die Organisation des Vorschlagswesens an Hochschulen

I. Interdisziplinäres Projektmanagement

Für eine Umsetzung des VWH in Projektform spricht nicht nur, daß es eine sehr gut geeignete Organisationsform ist, um "soft skills" zu trainieren und zu fördern. Die komplexer werdenden Arbeitszusammenhänge verlangen, daß sich interdisziplinäre Teams mit den Verbesserungen bzw. deren Lösungswege auseinandersetzen, um sie effizient zu verwirklichen (Zander 1993). In den traditionellen Sektoren trug das Vorschlagswesen dieser Entwicklung in Form von Einreichergemeinschaften und Vorschlagszirkeln Rechnung. Auch Qualitätszirkel können zur Weiterentwicklung des VW gerechnet werden (Deutsches Institut für Betriebswirtschaft 1995). allerdings werden sie in der Literatur häufig unter dem Begriff des Innovationsmanagements subsumiert (Bumann 1993). Ideen-Teams oder Verbesserungszirkel verfolgen sowohl die klassischen Ziele des Vorschlagswesens wie die Rationalisierung als auch die modernen Ziele wie die Persönlichkeitsentwicklung. Ebenso sind Vorschlagszirkel formelle Kreativitäts- und Problemlösungsgruppen (Bumann 1993), die sich dafür eignen, daß Studenten ihr theoretisches Wissen praktisch anwenden. Von dem geforderten Minimum an gemeinsamem Problembewußtsein und übereinstimmenden Wissensstrukturen kann ausgegangen werden (Weinert 1991). Ein anderer Vorteil des Projektmanagements ist die Forderung an die Mitglieder, Methodenkompetenz zu zeigen, d. h. die Fähigkeit, fachliche und soziale Kompetenzen problemgerecht und zielorientiert einzusetzen. Weiterhin soll das VWH auch einen Wandel der verkrusteten Hochschulstrukturen erzielen, und die Projektform hat sich als Methode bewährt, um Unternehmensstrukturen zu verändern (Schleiken, Winkelhofer 1997). Schließlich integriert die Organisationsform des Projektmanagements die Idee der lernenden Organisation (Winkelhofer 1997). Die kooperative Selbstqualifikation, d.h. das Lernen und Lehren von-, mit- und füreinander, wird damit gefördert, was sich angesichts der Forderung nach der Fähigkeit für ein lebenslanges Lernen als ein weiterer Vorteil erweist.

Somit stellt das Projektmanagement mit interdisziplinärer Beteiligung für die Implementierung des VWH eine optimale Organisationsform dar, um die vielgestaltigen Ziele zu erreichen. Der Projektcharakter hat speziell für die Ausgestaltung des VWH den Vorteil, daß es in Teilprojekte aufgeteilt werden kann. Damit wird es für den Projektleiter (Hochschullehrer) einfacher, die Leistungen der einzelnen Studierenden zu bewerten. Jede Teilprojektgruppe (TPG) sollte sich aus Studierenden verschiedener Spezialisierungen bzw. Fachbereiche zusammensetzen. Beispielsweise könnte das Marketing des VWH eine (Teil-) Projektgruppe übernehmen, die sich aus Marketing-, Informatik-, Gestaltungs- und Designstudenten zusammensetzt. Eine weitere interdisziplinäre Teilprojektgruppe könnte die Begutachtung und gegebenenfalls die Auswertung der VV übernehmen, während weitere fachbereichsübergreifende Projektgruppen deren Umsetzung oder Veröffentlichung als Aufgabe erhalten. Das interdisziplinäre Arbeiten auf Professorenebene läßt sich genauso verwirklichen. Z.B. könnten Professoren in Teilprojekten die Moderation übernehmen oder zusammen mit Kollegen aus anderen Fachdisziplinen, Mitarbeitern und Studenten ihr Expertenwissen zur Verfügung stellen, um Lösungswege für Verbesserungsvorschläge zu finden, die keinen geeigneten Vorschlag beinhalten. Damit könnten die TPGs neben Vorschlägen auch Beschwerden annehmen und Lösungen erarbeiten. Umfassende Probleme ließen sich mittels der Vergabe einer Diplomarbeit lösen. Dabei bieten sich auch interdisziplinäre Diplomarbeiten an wie z.B. die Einführung einer einzigen Chipkarte für verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Ein Student könnte die rechtliche Seite der Datenerfassung sowie die betriebswirtschaftlichen Vor- und Nachteile behandeln, während ein Kommilitone sich mit der technischen Umsetzung befaßt.

Die Frage, welchem Lehrstuhl das VWH zugeordnet werden kann, wird durch den Grad der interdisziplinären Ausgestaltung beantwortet. Die Diskussion, ob die Eingliederung beispielsweise am Lehrstuhl für Organisationslehre erfolgen sollte oder am Lehrstuhl für Produktionsmanagement, ist zweitrangig, solange beide am Projekt VWH involviert sind. Die Dauer des Semesters wirkt als limitierender Faktor auf das Engagement der Studierenden und ist das Zeitintervall, in dem ihre Ausbildung bzw. Weiterqualifizierung erfolgt.

II. Aufbauorganisation

Die Wahl der Organisationsform muß das Ziel des VWH, als Instrument zur Ausbildung und Qualifizierung zu fungieren, berücksichtigen. Die bisher üblichen Organisationsformen des klassischen und des dezentralen Modells in der Industrie werden dieser Anforderung nicht gerecht. Eine Organisation wie das vom Industriellen Krupp entwickelte BVW (klassisches Modell) mit einer zentralen Vorschlagsbearbeitung hat zudem den Nachteil der bürokratischen Hemmnisse. Dadurch ergeben sich lange Bearbeitungszeiten, die sich nach den Erfahrungen von Unternehmen negativ auf die Beteiligung am BVW auswirken (Sprenger 1994). Eine dezentrale Organisationsform, bei der die Vorschläge beim unmittelbaren Vorgesetzten eingebracht werden, wirkt diesen negativen Effekten entgegen und findet deshalb in der Wirtschaft zunehmend Akzeptanz (Vorgesetztenmodell) (Urban 1994). Der Vorgesetzte übernimmt die Begutachtung von Vorschlägen, sofern sie von ihm beurteilt werden können. Ansonsten werden Gutachter aus den entsprechenden Fachabteilungen herangezogen. Ein Nachteil liegt hierbei in der Tatsache, daß die Vorgesetzen mit ihrer Qualifikation und Motivation den Schlüssel zum Erfolg des BVW darstellen und geschult werden müssen. Mit der Fortentwicklung vom klassischen zum dezentralen Modell veränderte sich nicht nur die Organisationsform, sondern das BVW entwickelte sich vom Rationalisierungsinstrument zusätzlich zu einem Instrument zur Personalführung und -entwicklung im Rahmen eines partizipativen Führungsmanagements. Das VWH soll außerdem als Schulungsinstrument für "soft-skills" für die Umsetzung der Theorie in die Praxis dienen.

Für die Implementierung des VWHs als Projekt wird die folgende Strukturierung vorgeschlagen: Das Projektmanagement setzt sich aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen und einem oder mehreren Professoren zusammen und bildet damit die Organisationszentrale. Ihr Auftrag ist es, das VWH zu koordinieren, Informationen zu sammeln und die Arbeiten an Teilprojektgruppen (TPG) zu delegieren. In TPGs arbeiten die Studenten ebenfalls interdisziplinär und je nach Aufgabengebiet der TPG mit Verwaltungsangestellten bzw. Dozenten zusammen. Die Gruppen können unterschiedlich groß sein und die Studenten können sich an verschiedenen TPGs beteiligen. Die einzelnen Aufgaben der Teilprojektgruppen lassen sich aus Abbildung 1 ersehen:

Aufbauorganisation des VWH

Abbildung 1: Aufbauorganisation des VWH

III. Ablauforganisation

Das BVW lebt von der Vielzahl von Ansichten, Erkenntnissen und Anregungen. Um das Reservoir an Verbesserungsvorschlägen umfassend auszuschöpfen, ist es sinnvoll, möglichst viele Personen miteinzubeziehen. Für das VWH bedeutet das, daß sowohl Unternehmen, Studierende, Mitarbeiter, als auch Dozenten und Professoren Vorschläge einreichen dürfen bzw. sollen. Dem Einreicher stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, seine Ideen vorzulegen. Grundsätzlich können die Beschäftigten und Studenten ihre Anregungen beim VWH-Projektmanagement abgeben (Abb. 2). Um die Anonymität zu gewährleisten, besteht für den Einreicher auch die Möglichkeit, seinen VV durch Briefkästen zu übermitteln. Diese sollten sowohl physisch als auch virtuell vorhanden sein. Durch die Nutzung der elektronischen Post steht das System praktisch zu jeder Zeit zur Verfügung. Das Vorhalten entsprechender Formulare unterstützt die einfache Einreichung und die folgende Bearbeitung.

Einreicher, die den Weg über das VWH-Projektmanagement wählen, müssen in den Semesterferien eine längere Bearbeitungszeit in Kauf nehmen. Die zögerliche Bearbeitung könnte für Mitarbeiter demotivierend wirken, während es für studentische Einreicher kein Motivationsproblem darstellt, da sie vielfach selbst in den Ferien sind. Aus diesem Grund liegt eine parallele Organisation für das VWH nahe: für die Beschäftigten an Hochschulen bietet sich primär das Vorgesetztenmodell und für Studenten das Projektmanagement an. Der Nachteil des Vorgesetztenmodells, der in der Literatur durch einen "... erheblichen Einführungsaufwand im Bereich der Vorgesetztenschulung" (Thom, Etienne 1998) angesehen wird, läßt sich durch die Verknüpfung mit dem Projektmanagement vermeiden. Die Schulung der Vorgesetzten kann als Aufgabenbereich einer TPG in das VWH integriert werden. Auf diese Weise qualifizieren sich Studierende nicht nur als Ideenmanager, sondern üben ‚weiche‘ Führungsqualifikationen auch als Trainer. Sofern die Vorschläge der Mitarbeiter ihre eigene Abteilung betreffen, ergibt sich so eine sehr schnelle Bearbeitung und Umsetzung. Ist der Vorgesetzte nicht in der Lage, den Vorschlag zu beurteilen, übernimmt je nach Sachverhalt eine TPG die Begutachtung und die Bearbeitung des VV. Bei einer Begutachtung eines Vorschlages durch den Vorgesetzten, teilt dieser sein Ergebnis sowohl dem Einreicher als auch den TPGs Controlling/Statistik bzw. Public Relations mit. Das VWH-Projektmanagement übernimmt vergleichbare Aufgaben wie die des klassischen BVW-Beauftragten. Es organisiert, steuert und delegiert Aufgaben und stellt den zentralen Ansprechpartner dar. Der zuvor erwähnte gravierende Nachteil der bürokratischen Hemmnisse im klassischen Modell wird im VWH-Projektmanagement durch eine relativ große Projektgruppe von Studenten und Professoren, die eine schnelle Bearbeitung ermöglichen, kompensiert.

Aufbauorganisation des VWH

Abbildung 2: Ablauforganisation des VWH

B. Motivationsförderung

Das VWH in Form eines Projektes schafft günstige Rahmenbedingungen, um Widerstände wie Trägheit, Angst oder kognitive Unfähigkeit zu überwinden. Insbesondere können die Teilprojektgruppen spezifische Widerstände gegen das VWH durch gezielte Maßnahmen abbauen. So können sie z.B. durch Marketing, PR-Arbeit, zügige Bearbeitung und Realisation der Vorschläge sowie eine offene Kommunikationskultur einen wesentlichen Beitrag hierzu leisten.

Um bei den Studenten eine möglichst große Beteiligungsquote zu erzielen, muß vorwiegend das Hindernis der Trägheit überwunden werden. In der Literatur wird betont, daß das Wichtigste für die Motivation die Verwirklichung einer Idee sei, und die materielle und immaterielle Anerkennung an zweiter Stelle stehe (Jacobi 1996). Für die Beteiligten ist dementsprechend die Realisierung ihrer Verbesserungsvorschläge ein wichtiger Motivationsgrund. Das VWH-Pilotprojekt an der FHTW Berlin bekräftigt diese Aussage (Wagner, Ilg 1998). Bei der Auswertung der Vorschläge fiel auf, daß die studentische Einreicherquote im Vergleich zu den anderen Gruppen sehr hoch war, obwohl keine Prämien als Anreiz angeboten wurden. Viele Ideen deuten offenkundig auf den Leidensdruck des Vorschlagenden hin. Es ist anzunehmen, daß die Studierenden als Hauptbetroffene von Mängeln jeder Art (z.B. Wartezeiten, Informationsdefizite, Studienbedingungen oder unzureichender Service) im VWH eine Möglichkeit sehen, ihre Bedingungen für das Studium zu verbessern. Die schnelle Verwirklichung ihrer Idee wäre demzufolge wichtigster Motivator. Die interdisziplinäre Ausrichtung und die Organisation in Projektgruppen unterstützen eine schnelle Umsetzung der Vorschläge. Als ein weiterer Motivator, der sich in der Industrie bewährt hat, kann die Festsetzung von Vorschlagsquoten fungieren. Während für die Mitarbeiter über einen Vorschlag pro Jahr nachgedacht werden könnte, sollte jeder Teilnehmer an den TPGs mindestens drei Vorschläge durch eigene Initiative (persönliche Vorschläge, Interviews von Kommilitonen, Mitarbeitern und Dozenten/Professoren) akquirieren. Auch Studierende, die lediglich Mißstände erkennen, ohne einen Lösungsvorschlag zu deren Beseitigung zu haben, werden durch die Möglichkeit, ihre Beschwerden zu äußern und deren Beseitigung zu sehen, motiviert. Um diese Motivation aufrechtzuerhalten bzw. zu stärken, ist einer transparenten Vorschlagsbearbeitung ein hohes Gewicht beizumessen. Eine wöchentliche oder monatliche Fortschreibung über den Bearbeitungszustand jedes Vorschlages im Intranet einer Hochschule erfüllt diesen Anspruch und übt gleichzeitig Druck auf die jeweilige TPG und die verantwortlichen Ressortleiter aus, die Realisierung voranzutreiben.

Dennoch läßt sich das studentische Engagement mit zusätzlichen Anreizen sicherlich noch auf den Gebieten fördern, wo der Leidensdruck nicht zum Tragen kommt. Finanzielle Prämien verstärken den Anreiz, Vorschläge einzubringen, die einen großen Erfolg versprechen. Die Ausgestaltung der Prämienregelung kann von bewährten Systemen in der Industrie übernommen werden. Die angestrebte höhere Autonomität der Hochschulen in der Verwaltung ihrer Finanzen, wie sie in den Modellversuchen vorgesehen ist, erleichtert die Einführung von finanziellen Prämien. Doch auch ohne Modellversuch sollte eine Prämiengewährung in Geld möglich sein, wie sie bereits in anderen öffentlichen Dienststellen realisiert wird (Dienstblatt des Senats von Berlin 1998). Für die Hochschulen ließe sich auch ein anderes Prämienmodell denken. Die übliche Prämienhöhe von 20 bis 50% der jährlichen Einsparung ließe sich auf 100% erhöhen, wenn die Prämien als zusätzliche Investitionsmittel der Hochschule wieder zur Verfügung gestellt würden. Den Studenten, die Vorschläge unterbreiten, könnte die Hochschulleitung in diesem Fall als Anreiz anbieten, daß sie entscheiden, welcher Universitätsbereich in den Genuß der Prämie kommt. Es ließe sich dabei vorstellen, daß der Student zusätzliche Investitionen z.B. für Bücher, Software, Drucker oder für Exkursionen in Höhe des "erwirtschafteten" Betrag bestimmen kann. Diese Bücher könnten - wie es häufig beim Sponsoring üblich ist - einen Vermerk tragen, daß sie aus Mitteln des Vorschlagswesens gekauft wurden. Bei besonders hohen Einsparungen kann der Name des Vorschlagenden eingetragen werden, um zur Teilnahme am Ideenwettbewerb zu animieren. In allen Fällen sollten die realisierten Vorschläge in den hochschulinternen Medien publiziert und herausgestellt werden, um so einen zusätzlichen immateriellen Anreiz zu erzeugen. Die Erfahrungen mit dem Vorschlagswesen in der Industrie beweisen, daß es sich selbst finanzieren kann und darüber hinaus zu beträchtlichen Einsparungen führt.

Die schnelle Umsetzung von Vorschlägen erfordert die volle Unterstützung der Hochschulleitung und der Abteilungsleiter. Wenn die Leitungsebene das VWH nur halbherzig befürwortet, fehlt vielen Mitarbeitern und Studenten die Motivation, Vorschläge einzureichen und den Abteilungsleitern fällt es schwer, sie dann umzusetzen. Viele Mitarbeiter scheuen sich vor der Einführung neuer Arbeitsweisen und verharren lieber in alten Strukturen. Daher ist eine klare Entscheidung des Managements notwendig, Verbesserungen schnell und unbürokratisch zu verwirklichen.

I. Der Nutzen für die Hochschulen, Studenten und Wirtschaft

Das VWH ist sicherlich nicht das Allheilmittel gegen die kränkelnden Hochschulen, dennoch ist es eine preiswerte und bewährte Maßnahme. Der Erfolg des Pilotprojektes an der FHTW Berlin in Form eines Projektmanagements zeigt, daß das VWH ein sehr gutes, multifunktionales Instrument ist, mit dem die vielfältigen Ziele erreicht werden können.

Hochschulen können sich durch den Einsatz des VWH als Qualifizierungsinstrument profilieren und einen beträchtlichen Wettbewerbsvorteil erzielen, indem sie durch eine praxisbezogene Ausbildung der Studierenden und der Vermittlung von "soft skills" die Anforderungen der Wirtschaft besser erfüllen und eine Verbesserung ihres Images bei der Wirtschaft und bei den Studenten erreichen. Gleichzeitig legen sie den Grundstein für die Schaffung einer innovativen Kultur. Diese dient einerseits den Hochschulen für die Bewältigung der anstehenden Erneuerungen. Andererseits ist die kreative Einstellung der Studenten und Professoren auch für die Innovationskraft der Wirtschaft notwendig. Neben diesen wichtigen Vorteilen stecken enorme Möglichkeiten zur Kostenreduzierung im VWH. Dies belegen die Erfolge, die mit dem BVW in der Industrie erreicht wurden. Ließe sich die Einsparung je Mitarbeiter bei Siemens auf die deutschen Studenten übertragen, könnten 3 Mrd. DM an Ausgaben - ohne daß sich der Service verringerte - abgebaut werden. Selbst ein Drittel dieser Einsparung würde noch 2% des Gesamtbudgets der Hochschulen betragen.

Der größte Vorteil für die Studierenden dürfte in einer Verbesserung der Studienbedingungen liegen, sowohl durch eine Steigerung des Services als auch in der Qualität der Lehre. Durch das Training von sozialer Kompetenz erfahren die Studierenden einen bedeutenden immateriellen Nutzen. "Soft skills" stellen heute eine Schlüsselqualifikation dar, die ein Hochschulabsolvent nur schwer oder gar nicht belegen kann. Üblicherweise überprüfen Unternehmen diese "weichen" Faktoren schon bei der Bewerbung in Assessment-Center-Verfahren. (Lang-von Wins 1997). Hierbei können sich die Erfahrungen der Studenten im Projektmanagement des VWH als ein Bewerbungsvorteil herausstellen. Was sich für die Studierenden als ein Bewerbungsvorteil erweist, ist für die Wirtschaft als ein ökonomischer Nutzen anzusehen. Für sie besteht der größte Vorteil darin, daß die Hochschulabsolventen in Kreativitäts- und Problemlösungstechniken bereits geschult sind und Erfahrung in interdisziplinärer Teamarbeit, Projekt- und Innovationsmanagement mitbringen. Somit fallen Investitionen für entsprechende Seminare gar nicht erst an bzw. verringern sich. Statt dessen sind die Studenten sofort einsetzbar. Das Ausmaß der Vorteile des VWH für die Studenten ist zum Teil von ihnen selbst abhängig. Ihre Kreativität und Ideen bzw. ihr Engagement für das VWH bestimmen den quantitativen und qualitativen Nutzen. Zusätzlich lernen die Studierenden dabei unternehmerisch zu denken, indem sie erfahren, daß sie selbst in der Lage sind, das Schicksal "ihres" Unternehmens in die Hand zu nehmen bzw. es mitzubestimmen. Damit wird ein weiteres pädagogisches Ziel der universitären Ausbildung erreicht.

Bei der geringen Präsenz des Vorschlagwesens an Hochschulen einerseits und der enormen Vorteile andererseits sollte die Einrichtung und Nutzung des VWHs bewußt vorangetrieben werden. Wie in den privaten Unternehmen ist eine Unterstützung des Hochschulmanagements für die Durchsetzung der Ziele unerläßlich. Es bietet sich an, das VWH in das Curriculum zum Beispiel als Ergänzungsfach mehrerer Fachbereiche einzubinden. Dies gewährleistet Kontinuität wie auch Interdisziplinarität und es besteht die Möglichkeit der Anrechnung des Kurses für Studenten und Dozenten, wodurch ein weiterer wichtiger Motivationsanreiz geschaffen wird. Das VWH kann auf Bildungseinrichtungen außerhalb der Hochschulen übertragen werden, da Schulen, Weiterbildungsinstitute etc. ähnliche Strukturen aufweisen. Ein Austausch zwischen Hochschulen oder zwischen Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen über die Nutzung des VWH als Qualifizierungs- und Rationalisierungsinstrument kann dann allen Bildungseinrichtungen zu mehr Effizienz und Effektivität verhelfen.

Literaturverzeichnis

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